Das Schloss war im Jahr 2009 von Joachim Ney vom Orden der Gemeinschaft der Seligpreisenden erworben worden. In den folgenden Jahren entstand eine äußerst komplexe rechtliche Situation mit mehreren Erbbau- und Eigentümergrundbüchern sowie einer Vielzahl erheblicher Grundschulden mit unterschiedlichsten Gläubigern. Dadurch war das Schlossensemble praktisch wirtschaftlich nicht verwertbar. Unter diesen Rahmenbedingungen wurde seinerzeit kein finanziell leistungsfähiger Investor oder Käufer gefunden.
Die Stadt Warstein hatte zwischenzeitlich eine von der Bezirksregierung geförderte Machbarkeitsstudie erstellen lassen. Dabei wurden mögliche Nutzungsperspektiven für das Schloss untersucht. Gleichzeitig bestanden jedoch finanzielle Forderungen der Stadt gegenüber dem damaligen Eigentümer. Die Stadt leitete deshalb die Zwangsversteigerung der einzelnen Gebäude, Grundstücke und Erbbaurechte ein. Insgesamt waren hierfür in den Jahren 2018 bis 2021 insgesamt elf Zwangsversteigerungstermine erforderlich.
Im Ergebnis wurden Detlev Gründer, seine Söhne sowie mehrere Gesellschaften von Herrn Gründer neue Eigentümer. Auch in dieser Phase unterstützte die Stadt die Bemühungen um eine Sanierung des Schlosses. Unter anderem begleitete sie Förderanträge aus dem Denkmalschutz und setzte sich dafür ein, mögliche Fördermittel zu erschließen. Die Anträge blieben jedoch ohne Erfolg. Auch die wiederholten Versuche von Gründer, Investoren oder Käufer für das Ensemble zu gewinnen, führten zu keinem Ergebnis.
Parallel verschlechterte sich der bauliche Zustand des Schlosses und der übrigen Gebäude zunehmend. Fehlende beziehungsweise offene Fenster, ein undichtes Dach und erhebliche Vandalismusschäden haben dem Ensemble über die Jahre stark zugesetzt.
Mehr als 40 Grundbucheinträge mussten bereinigt werden
Mit dem Ziel das Schlossensembles einer neuen Nutzungsperspektive zuzuführen, schloss die Stadt Warstein Ende vergangenen Jahres einen Kaufvertrag mit den Eigentümern. Dieser stand unter der Voraussetzung, dass sämtliche belastenden Grundbucheinträge gelöscht werden. Die Bereinigung erwies sich als langwierig und kompliziert: Mehr als 40 Grundbucheinträge mussten bearbeitet und gelöscht werden. Dabei war auch erhebliche Unterstützung durch die Stadt erforderlich. Inzwischen sind die Grundbücher bereinigt. Auch die auf dem Gelände abgestellten Schrottfahrzeuge wurden entfernt.
"Wir haben über Jahre daran gearbeitet, die rechtlichen Blockaden rund um das Schloss zu lösen. Der Kauf durch die Stadt ist deshalb ein wichtiger Meilenstein. Jetzt haben wir wieder die Möglichkeit, die weitere Entwicklung des Schlossensembles aktiv zu gestalten", erklärt Erster Beigeordneter und Stadtkämmerer Stefan Redder.
Redder hatte sich seit Jahren dafür eingesetzt, die komplizierten rechtlichen Verhältnisse zu ordnen und damit die Voraussetzungen dafür zu schaffen, wieder Interesse bei Investoren zu wecken.
Nächster Schritt: Grundstücke wieder zusammenführen
In Kürze wird die Stadt Warstein auch im Grundbuch als Eigentümerin des Schlossensembles eingetragen werden. Anschließend sollen die zahlreichen Flurstücke wieder zu einem "großen Flurstück" verschmolzen werden. So können unter anderem die in der Vergangenheit herausparzellierten Mauergrundstücke wieder dem Hauptgrundstück zugeordnet werden.
"Damit beseitigen wir einen wesentlichen Teil des rechtlichen Schadens, der dem Schlossensemble über die vergangenen Jahre entstanden ist. Das schafft eine deutlich bessere Ausgangslage für die weitere Entwicklung", so Redder.
Nach der Verschmelzung der Grundstücke und der anschließenden Aktualisierung des Katasters will die Stadt Warstein die Vermarktung des Schlossensembles gezielt vorantreiben. Ziel bleibt es, dass ein geeigneter Partner das denkmalgeschützte Ensemble mittelfristig saniert und einer tragfähigen und sinnvollen Nutzung zuführt.
Bürgermeister Maximilian Spinnrath würdigt insbesondere die Ausdauer und das Engagement des Ersten Beigeordneten und Stadtkämmerers Stefan Redder. "Bereits aus meiner Zeit als Ratsmitglied weiß ich, dass Stefan Redder sich über einen langen Zeitraum mit großer Beharrlichkeit dafür eingesetzt hat, die immer wieder neu auftretenden rechtlichen Probleme zu lösen. Dass wir jetzt an diesem Punkt stehen, ist ganz überwiegend das Ergebnis dieses kontinuierlichen Engagements", betont der Bürgermeister und ergänzt: "Außerdem möchte ich mich beim Stadtkassenleiter Herrn Schomaker und der stellvertretenden Leiterin des Sachgebiets Immobilien, Frau Rausch, bedanken, welche sich sehr bei der Bereinigung der komplizierten Grundstücks- und Grundbuchangelegenheiten verdient gemacht haben".
"Der Zustand des Schlosses ist nach den langen Jahren ohne Nutzung und angesichts von Vandalismus bedauerlich. Umso wichtiger ist es, dass das Schloss jetzt wieder eine Perspektive bekommt. In diesem Zusammenhang wird die Stadt in einigen Monaten über neue, spannende Entwicklungen zur Zukunft des Schlossensembles berichten können", kündigt Redder an.




